Im Interview: mija t. rosa
Bei Designerin Julia Cepp, 34, und ihrem Label mija t. rosa treffen Verspieltheit auf gerade Linien, fließende Stoffe auf groben Strick und Mode von gestern auf Schnitte von morgen. Inspiration findet die junge Designerin, die oft Vintage-Teile zu Neuem verarbeitet, seit ihrer Studienzeit in Filmen.
Forschen & Entdecken: Haben Sie sich schon als Kind für Mode interessiert?
Julia Cepp: Ja. Als ich klein war, habe ich für meine Barbie-Puppen die Kleider genäht oder stundenlang vorm Spiegel verschiedenste Outfits anprobiert.
Welche Ausbildung haben Sie gemacht?
Nach der Schule bin ich von Graz nach Wien gekommen, habe das Kolleg für Mode und Bekleidungstechnik in Michelbeuern gemacht und schließlich auf der Universität für angewandte Kunst bei Raf Simons Mode studiert.
Warum haben Sie sich gerade Wien als Ihr berufliches Zentrum ausgesucht?
Das hat sich so ergeben. Ich bin für das Studium hierhergekommen und habe mir langsam mein soziales Netz aufgebaut.
Seit wann gibt es mija t. rosa?
Den Label-Namen verwende ich seit 2001. Das Unternehmen wurde aber erst nach Studium und Karenzzeit 2009 gegründet.
Wie sind Sie auf den Namen mija t. rosa gekommen?
mija t. rosa ist ein Anagramm aus dem Mädchennamen meiner Großmutter, Maria Jost. Sie ist eine wichtige Bezugsperson für mich und eine sehr starke Frau. Sie wäre gerne Schneiderin geworden, das war aber damals, kurz nach dem Krieg, nicht möglich. In meiner Mode beschäftige ich mich mit starken Frauenfiguren und ihren Fähigkeiten, sich zu behaupten, aber auch mit ihrem Scheitern bei diesem Versuch.
Beschreiben Sie Ihren Stil.
Bei meinen Kollektionen hängt der Stil sehr vom Thema meines jeweiligen Jahresprojektes ab. Möglich ist alles: wild und verrucht, sinnlich-feminin oder auch streng und kühl.
Worauf können wir uns im Herbst freuen?
Auf fließende Stoffe und grob gestrickten, kuscheligen Handstrick. Es gibt Pullover und Panties aus recycelten Strickwaren, geknitterte Hüte und Kleider, Blusen, die man verkehrt herum tragen kann, sowie Allround-Modelle, die abends genauso funktionieren wie tagsüber. Die vorherrschenden Farben sind Schwarz und Dunkelgrau, gedeckte Farbtöne wie zum Beispiel Schlammgrün sind auch dabei.
Woran erkennt man frühzeitig, was zum Trend wird?
Für mich steht das Wort „Trend“ für die Kurzlebigkeit in der Mode-Industrie, die ja auch gleichzeitig ihr Motor ist. Mode zu machen nur mit dem Hintergedanken, einen neuen Trend zu schaffen, wäre für mich kein Anreiz. Ich entwerfe aus dem Gefühl, aus einer Stimmung heraus. Dabei sind mir Trends völlig gleichgültig.
Was ist Ihre Inspiration?
Inspiration ist alles, womit ich mich beschäftige, bewusst oder unbewusst. Filme spielen eine wichtige Rolle für mich. Deswegen beziehen sich meine Kollektionen auch oft auf Filme und ihre Darstellerinnen. Ich persönlich finde es spannender, wenn ich konkret zu einem Thema arbeiten kann. In Modemagazinen finde ich nur selten Inspiration, weil in der Masse alles beliebig wird.
Welche Preise haben Sie schon gewonnen?
Mit meiner Diplomkollektion „Angels“ habe ich 2004 eine Fotostrecke im Rondo gewonnen. Dieses Jahr war ich für den RGDA nominiert und auch für den Slow Fashion Award.
Von welchen Seiten wurden Sie bei der Gründung Ihres Labels unterstützt?
Finanziell von departure, der Kreativagentur der Stadt Wien. Mental von meiner Familie und meinen Freundinnen und Freunden.
Muss Mode einen intellektuellen, philosophischen Anspruch haben? Oder darf sie auch einfach „nur“ in ihrer Banalität gefallen?
Mode ist ein riesiges Feld, wo alles möglich ist. Der wichtigste Anspruch, den sicher alle Designerinnen und Designer teilen, ist aber die Freiheit zu haben, alles zu tun.
Welche Stoffe, Materialien setzen Sie in Ihrer Mode ein?
Mir ist es immer wichtig, dass der Stoff sich auf der Haut gut anfühlt. Ich bevorzuge zurzeit fließende Stoffe, meist unifarben.
Wenn Sie selbst Mode einkaufen: Wohin zieht es Sie?
Meist trage ich eigene Stücke, weil ich meine Prototypen testen will, in Kombination mit Teilen vom Flohmarkt. Ich habe aber auch Kleidung von Design-Kolleginnen und -Kollegen.
Würden Sie sich als erfolgreich bezeichnen?
Ich finde, ich habe mich bis jetzt ganz gut geschlagen. Erfolgreich zu sein, ist schön, aber nicht um jeden Preis.
Ist es schwierig, Familie – Sohn, Mann – und Karriere zu vereinen? Wie schaffen Sie das?
Es gibt anstrengende Phasen, ja, aber grundsätzlich funktioniert das wunderbar, weil jeder in der Familie seinen Beitrag leistet und alles gemeinsam geplant wird.
Welche Frau trägt Ihre Kleider?
Im Idealfall Frauen, die sich auch für die Inhalte der Kollektionen interessieren und vielleicht in meinen Frauenbildern ein Stück von sich selbst wiederfinden.
Wo sehen Sie sich in zehn Jahren? Welche Ziele haben Sie?
Zehn Jahre sind eine lange Zeit und viele Ziele verändern sich. Ein Ziel ist es, glücklich zu bleiben und ein bisschen entspannter zu werden, als ich es momentan bin.
Sie machen auch Kindermode. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?
Die Kinderlinie „mamamija“ gibt es seit 2004. Sie ist entstanden, als mein Sohn Julian auf die Welt gekommen ist, und besteht aus Nikisamthosen – die gleichen gibt es auch für Frauen – und Kapuzenoberteilen aus recycelten T-Shirts.
Aber mir war bald klar, dass mein Fokus sicher bei der Damenmode bleiben wird.
Ist Ihr Kind auch modisch (interessiert)?
Er ist schon sehr speziell beim Anziehen. Er ist fünf Jahre alt und verkleidet sich unglaublich gerne. Auf meinem Blog kann man sich seine abenteuerlichen Outfits anschauen.
Wo bekommt man Ihre Mode bzw. Kindermode?
Die Damenmode zum Beispiel bei „Glanz & Gloria“ im 7. Bezirk. Die Kinderlinie führt unter anderen „Pepita“.
Nach Terminvereinbarung ist auch ein Atelierbesuch bei mir im 15. Bezirk möglich.
Was macht mija t. rosa so speziell?
Ich versuche, in meiner Arbeit authentisch zu bleiben. Mir geht es nicht darum, nur ein Produkt zu verkaufen, ich will den Frauen ein Stück meiner „mija t. rosa“-Welt schenken.
www.mija-t-rosa.com