Klaus Mühlbauer im Gespräch
Klaus Mühlbauer.
Eigentlich wollte Klaus Mühlbauer, 41, nach seiner Modisten-Lehre raus aus dem Familienbetrieb. Vor rund zehn Jahren entschied er sich jedoch anders …
Forschen & Entdecken: Wie kam es, dass Sie dann doch in die Fußstapfen Ihrer Eltern gestiegen sind?
Klaus Mühlbauer: Mein Vater wollte die Hutwerkstätte schließen und dachte an einen Rückzug. Ich bat um Bedenkzeit und stellte mich schließlich der Herausforderung, das Unternehmen weiterzuführen. Mir war von Anfang an klar, dass das viel Arbeit bedeutet. Nicht immer leicht, vor allem seit ich Vater einer kleinen Tochter bin. Aber ich werde großartig von meiner Schwester Marlies, die die Hutkollektionen mit mir macht und sich um unser Bekleidungsgeschäft MODE MÜHLBAUER kümmert, der restlichen Familie und meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterstützt. Wenn nötig, stehen mir auch meine Eltern zur Seite.
Ich bin froh, dass ich mich 2001 für diesen Weg entschieden habe. Ich kann meine Kreativität ausleben. Langweilig ist mein Leben nie.
Sie haben noch zwei Brüder. Sind auch diese Teil des Unternehmens?
Nein, gar nicht. Einer der beiden ist Architekt, der andere arbeitet in der Gastronomie.
War es schwierig, eine Lehre bei den Eltern zu machen? Haben Sie deshalb gezögert, als es darum ging, das Unternehmen zu übernehmen?
Natürlich gab es während meiner Lehrzeit auch Konflikte. Das ist ganz natürlich. Aber ich denke, nirgendwo sonst hätte ich das Handwerk so gut lernen können wie bei meiner Familie.
Dennoch fand ich die Vorstellung erschreckend, mein Leben lang mit meinen Eltern arbeiten zu müssen, nie „rauszukommen“. Deshalb bin ich dann auch weg. Und nur weil ich weg war, anderes gesehen und erlebt habe, war es überhaupt möglich, wieder zurückzukehren.
Wurden Sie seitens der Stadt Wien auch finanziell unterstützt?
Vor rund fünf Jahren bekamen wir von departure, der Wiener Förderstelle für die Kreativwirtschaft, eine Förderung. Diese war für die Neupositionierung des Unternehmens sehr hilfreich.
Wie lange gibt es das Unternehmen Mühlbauer schon?
Gegründet wurde es 1903 in Wien. Heute feiern unsere Hüte international Erfolg. Geschäfte wie „Le Bon Marché“ in Paris, die „Galeries Lafayette“ in Berlin, „Harrods“ in London, „Bergdorf Goodman“ in New York oder „Isetan“ in Tokio gehören zu den bekanntesten Kunden.
Exportieren Sie auch nach Asien?
Ja! Fast 40 Prozent unserer Produktion gehen nach Japan. Die Japanerinnen und Japaner sind richtig „hutnarrisch“.
Welche Neuerungen haben Sie bei der Unternehmensübernahme durchgeführt?
Der Fokus hat sich geändert. Meine Eltern haben weniger Hüte verkauft, sondern hauptsächlich Bekleidung. Das sieht heute anders aus. Etwa 80 Prozent unseres Umsatzes machen wir heute mit Hüten. Wir haben „Mühlbauer“ ein neues Gesicht verliehen, das Design der Hüte von Grund auf erneuert, das Marketing und den Vertrieb völlig neu aufgestellt und begonnen, unsere Hüte ins Ausland zu exportieren.
Wie „entsteht“ ein Hut?
Unterschiedlich! Manchmal direkt am Zeichentisch, manchmal aus dem Bauch heraus beim „Basteln“ mit alten Hut-Formen, manchmal inspiriert mich ein neues Material, das mein Team und ich bei der Recherche entdeckt haben. Wir probieren viel aus.
Was macht ein gutes Hut-Design aus?
Ein Hut muss passen, man muss sich damit wohlfühlen. Die Frage, was einen guten Hut ausmacht, sieht man am Ergebnis unserer Arbeit. Der Weg dorthin ist unser kleines Geheimnis. Für uns ist eine Kopfbedeckung, ein modisches Stilmittel, wie eine Handtasche oder Schuhe, und somit auch ein Gegenstand des Alltags, der uns in die Arbeit, zum Einkaufen, auf eine Party oder sonst wohin begleitet.
Soll Hut-Design auch einem intellektuellen Anspruch gerecht werden?
Nicht wirklich. Mode, auch Hüte und Kopfbedeckungen, soll Spaß machen und Freude bereiten, ein Gefühl auslösen. Aber natürlich stehen hinter jeder guten Kollektion ein Gedanke und ein Konzept.
Was inspiriert Sie?
Bevor eine Kollektion entsteht, schwärmen mein Team und ich zur Material- und Formenrecherche aus. Daraus entstehen in Folge Neuheiten wie aktuell zum Beispiel Hüte aus geknautschtem Filz. Inspiration holen wir uns von überall her. In jedem Moment kann dir etwas einfallen, kannst du etwas sehen, hören, das später Eingang in eine Kollektion findet.
Worauf können wir uns nächsten Herbst freuen?
Für die Herbst/Winter-Kollektion haben wir einige Ideen aus der letzten Kollektion neu aufgegriffen und weiterentwickelt. So wird es etwa unter anderem hochwertig verarbeitete Knautsch-Hüte und natürlich unsere Strick-Filz-Hüte, von denen auch Brad Pitt einen hat, geben. Weiters wird es erstmalig Modelle aus Webpelz geben. Neu in dieser Kollektion sind auch das Material Waldschaf-Tweed und Filze in Felloptik oder mit ungewohnten Print-Mustern.
Tragen Sie privat gerne Hüte?
Ja. Fast immer.
Bezeichnen Sie sich als erfolgreich?
Das Unternehmen ist auf dem richtigen Weg. Die Arbeit, die wir die letzten zehn Jahre investiert haben, zahlt sich langsam aus.
Möchten Sie, dass Ihre Tochter einmal das Unternehmen Mühlbauer übernimmt?
Das hängt ganz von ihr ab. Wenn sie möchte, werde ich sie dabei unterstützen, aber ich werde sie sicher nicht zwingen.
www.muehlbauer.at