In den Stadtbahnbögen wird Mode kreiert
Im Februar 2012 startet in den Wiener Stadtbahnbögen der „Schnittbogen“ – eine Projekt, bei dem sich ModedesignerInnen unter einem Dach kreativ befruchten und austoben können. „F&E“ hat mit der Geschäftsführerin Michaela Hudecová Königshofer gesprochen.
Schnittbogen-Geschäftsführerin und Meisterin für Damenbekleidung Michaela Hudecová Königshofer.
Forschen & Entdecken: Können Sie uns in ein paar Worten erklären, was der „Schnittbogen“ sein wird und was konkret dort angeboten wird?
Michaela Hudecová Königshofer: Der „Schnittbogen“ ist ein Platz, an dem man kreativ arbeiten kann. Er ist ein Ort, an dem Modeschaffenden unter die Arme gegriffen wird, wenn sie in Sachen Fertigung der Entwürfe an deren Grenzen stoßen. Das Projekt fußt dabei auf drei grundlegenden Säulen: Co-Working, Produktion und Präsentation. Im Grunde ist es eine offene Werkstatt für Textil, Mode und Design, wo ich und meine MitarbeiterInnen – zum Beispiel Textil-, Strick und Filzdesignerinnen und -designer – als Fachkräfte den Kreativen zur Seite stehen. Dies aber nicht nur mit Know-how, sondern eben auch mit großen Räumlichkeiten, Maschinen und Präsentationsmöglichkeiten. Denn vor Ort lässt sich auch im Nu ein Laufsteg-Szenario generieren. Auf diesem Wege möchte ich der österreichischen Modeszene beziehungsweise den Absolventinnen und Absolventen der Schulen zeigen, was letztlich alles möglich ist und wie man etwa Fäden verspinnt oder Flächen durch Weben und Stricken erstellt. Auch die Weiterverarbeitung kann im „Schnittbogen“ ausprobiert werden, indem man die Geräte selbst bedient.
Wie ist Ihnen die Idee dazu gekommen?
Ich habe eine Modeausbildung absolviert und hatte während dieser Zeit die Möglichkeit, mir eine Werkstatt einzurichten. Nach dem Abschluss habe ich ein paar Schulfreundinnen, die keine Maschinen gehabt haben, bei mir in der Werkstatt beherbergt, damit sie ihre Ideen verwirklichen können. Da habe ich mir gedacht, dass das, was ich hier im Kleinen daheim tue, eigentlich Potenzial hat – das war vor rund zehn Jahren. Inzwischen habe ich durch jahrelanges Zusammenarbeiten mit Wiener Modetreibenden und Kostümdesignerinnen und -designern das nötige Know-how, um diesen speziellen Co-Working Space ins Leben zu rufen. Im Rahmen einer Recherche bei befreundeten Textil-, Mode- und Kostümdesignerinnen und -designern ist zudem der Bedarf an Platz zur Umsetzung der kreativen Arbeit deutlich geworden. Und die U-Bahn-Bögen, in denen der „Schnittbogen“ beheimatet sein wird, haben mich schon immer fasziniert. Durch die Größe des Geschäftslokals – über 300 Quadratmeter – habe ich eine ausgewogene Kombination aus Ideenfindung, Verwirklichung und Präsentation gefunden.
Der „Schnittbogen“ adressiert also primär junge Modedesignerinnen und -designer. Was fehlt denen denn noch, um ihre Visionen umsetzen zu können?
Absolventinnen und Absolventen sind fertig mit der Schule, in der ihnen Nähmaschinen, Fixierpressen, Puppen, Bügelanlagen und dergleichen zur Verfügung standen. Von einem Tag auf den anderen haben Sie wahrscheinlich nur mehr eine Nähmaschine. Im „Schnittbogen“ bekommt man so gut wie alles an hilfreichem Equipment – er ist eine Art One-Stop-Box.
Wie kann man sich im „Schnittbogen“ einmieten? Welche Modelle gibt es hier?
Prinzipiell werden die Plätze nach Monaten, Tagen und Stunden vermietet, wobei jeder vor Ort auf Nähmaschine, Schnitttisch und Bügelanlage zurückgreifen kann – spezielle Maschinen und Beratung vom Fachpersonal werden extra verrechnet. Kleine Tipps und Hilfestellungen sind aber natürlich kostenlos. Fixe Arbeitsplätze, von denen es 16 geben wird, werden im Monat 350 Euro kosten, ein Platz für eine Woche wird auf 150 Euro kommen. Die Miete für einzelne Tage oder Stunden wird sich auf 40 respektive 8 Euro belaufen.
Du wirst ja von departure, der Kreativagentur der Stadt Wien, gefördert. Wie ist der Kontakt entstanden? Und welche Möglichkeiten zieht die Förderung nach sich?
departure unterstützt mich bei der Erstellung des Businessplans, den ersten PR-Maßnahmen sowie bei der rechtlichen Absicherung. Zum Kontakt: Ich habe im Vorfeld viel mit Leuten aus der Modeszene gesprochen und sie gefragt, was sie von so einer offenen Werkstatt halten. Dabei wurde ich immer wieder auf departure angesprochen, die ich allerdings schon von meiner Ausbildung her kannte und deren Newsletter ich immer wieder gelesen habe. Daraufhin habe ich mich einfach beworben. Und das war eine gute Entscheidung …